Projekte - Beschreibung

 

Die Geburt des unternehmerischen Selbst aus dem Geist des Neoliberalismus: eine dispositivanalytische Studie zum (Trans-)Formierungsgeschehen moderner Subjektivierungsweisen

Finanzierung: Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen

Laufzeit seit 09/2005

Beteiligte WissenschaftlerInnen
Projektleitung
Vertr.-Prof. Dr. Andrea D. Bührmann
Kontakt: abuehrmann@fb12.uni-dortmund.de
MitarbeiterInnen
A. Brenssel, K. Pühl

Angewandte Methoden: sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, gesellschaftstheoretisch fundierte Dispositivanalyse, Experten/-innen-Interviews Seit einiger Zeit wird in unterschiedlichen Debatten das Auftauchen des so genannten unternehmerischen Selbst („Entrepreneurial Self“) konstatiert. Dieses Selbst zeichnet sich dadurch aus, dass es sein Handeln, Fühlen, Denken und Wollen an ökonomischen Effizienzkriterien und unternehmerischen Kalkülen ausrichtet. Für Richard Sennett etwa steht das unternehmerische Selbst ‚als flexibler Mensch des Kapitalismus‘ in einer selbst-unternehmerischen Verantwortung. Es muss sich anpreisen und in der Lage sein, sich entsprechend zu präsentieren. Dieses unternehmerische Selbst wird in vielen Studien als aktuelle hegemoniale Subjektivierungsweise angesehen, also als die hegemoniale Weise, in der Menschen sich selbst und andere betrachten, wahrnehmen und erleben. Mit Blick auf diese Diagnose ergibt sich die folgende substanzielle, bislang allerdings nicht systematisch erforschte Fragestellung: Über welche soziale Praktiken ist dieses unternehmerische Selbst hervorgebracht worden und welche Konsequenzen hat seine unterstellte aktuelle Hegemonialität für die gegenwärtig zu beobachtenden Individualisierungsprozesse und die damit verbundenen Relationen sozialer Ungleichheit?

Aufgrund der bisherigen Untersuchungen auf diesem Feld läßt sich die folgende Arbeitshypothese formulieren: Das unternehmerische Selbst taucht verstärkt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zugleich in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern auf. Dieses Auftauchen reflektiert auch einen Wandel vom Fordismus zum neoliberalen Projekt des Postfordismus. Hier nämlich braucht es nicht mehr den liberalen Unternehmer – wie ihn etwa Max Weber, aber auch implizit Theodor W. Adorno und Max Horkheimer so eindringlich beschrieben haben, - sondern eine Subjektivierungsweise, die Menschen dazu befähigt sich selbst zu managen, und vor allem, sich selbst als Unternehmen zu begreifen und entsprechend zu führen. Von diesen Anforderungen scheinen nun am Beginn des 21. Jahrhunderts Menschen in so nachmodernen Gesellschaften weitgehend unabhängig von Strukturkategorien wie Klasse, Ethnizität und auch Geschlecht betroffen zu sein. Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes stehen zwei Ziele:

Mit einer umfassenden Aufarbeitung zum Stand der Forschung ist bereits begonnen worden. Erste Forschungsbefunde sind in den Aufsatz „Das Individuum: Eine Leerstelle in der aktuellen Individualisierungsdebatte?“ In: Bührmann / Kößler / Puls / Späte / Thien / Tuider: Gesellschaftstheorie und die Heterogenität empirischer Sozialforschung, Münster 2006 eingegangen.

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