Die Dynamik der
Geschlechterkonstellationen wird
durch das beeinflusst, was die
(post)moderne Gesellschaft für
normal hält bzw. als abweichend von
der Normalität definiert.

Theoretische Konzeptionen

Die Normalismustheoretische Auseinandersetzung

Die Dynamik der Geschlechterkonstellationen wird unter anderem durch das beeinflusst, was die (post)moderne Gesellschaft für normal hält bzw. als abweichend von der Normalität definiert. "Das andere Geschlecht" von Simone de Beauvoir (original 1949) bildete den Ausgangspunkt für eine kritische feministische Reflexion über Normalität und Abweichung in den Geschlechterkonstellationen. Dieser Schrift folgten in den nächsten Jahrzehnten weitere Analysen - insbesondere im Rahmen der Psychologie/Psychiatrie - zur sozialen Abweichung von Frauen (Chesler 1972, Gipser/Stein-Hilbers 1980). Die damalige Auseinandersetzung blieb jedoch auf den Zusammenhang von sozialer Abweichung und weiblichem Geschlecht fokussiert, ohne die Frage zu berücksichtigen, was Normalität ist und wie sie hergestellt wird.
Erst im Rahmen der Diskursanalyse werden seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre Normalitäten explizit erforscht. Ihre Basis sind die folgenden von Jürgen Link (1997) formulierten Grundannahmen:

Links Grundannahmen bieten einen theoretischen Ansatz und ein Instrumentarium zur Untersuchung normalisierender Diskurs- und Machtstrategien, die auch für die Geschlechterforschung neue Aufschlüsse versprechen. Dies zeigen die Forschungsansätze, die seit 1998 auf dem Gebiet der Frauenforschung in der Behindertenpädagogik entwickelt werden. An den Werken (1970-2000) zweier Vertreterinnen dieses Fachgebietes, Barbara Rohr und Annedore Prengel, wird der Zusammenhang zwischen Normalität, Behinderung und Geschlecht inhaltsanalytisch untersucht (vgl. Schildmann 2000, 2001; Publikation der Gesamtergebnisse 2003). Erwartet werden neue Aufschlüsse über die Unterschiedlichkeit der Kategorien Geschlecht und Behinderung sowie über deren Gemeinsamkeiten im Rahmen machtstruktureller gesellschaftlicher Dynamiken. Die exemplarischen Ergebnisse auf dem Gebiet von Normalität, Behinderung und Geschlecht werden für andere Felder der Frauen- und Geschlechterforschung nutzbar gemacht.

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