Zentrale Aufgabe der
Salutogenese-Forschung ist die
Identifizierung gesunderhaltender
personaler, situativer und sozialer
Faktoren und Ressourcen.


Theoretische Konzeptionen

Das Salutogenese Konzept

Der Begriff "Salutogenese" stammt von Aaron Antonovsky, einem amerikanisch-israelischen Medizinsoziologen (1923-1994). Ursprünglich klassischer Stressforscher, der sich mit der
Bewältigung von belastenden Lebensbedingungen und Ereignissen beschäftigte, wandte Antonovsky sich zunehmend den Prozessen zu, die Gesunderhaltung ermöglichen und verstärken. Die neue Sichtweise gewann innerhalb kurzer Zeit große Popularität. Das Salutogenese-Konzept sensu Antonovsky wurde in einem relativ kurzen Zeitraum von etwa zwanzig Jahren weltweit rezipiert und gilt heute als die am besten theoretisch ausgearbeitete und empirisch überprüfte Gesundheitstheorie (deutsche Übersetzung und Herausgabe des Hauptwerks "Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit" von Franke 1997). Anwendung findet es außer in den Gesundheitswissenschaften, der Gesundheitspolitik und Public Health Forschung vor allem in der Klinischen Psychologie und Gesundheitspsychologie (Franke/Kämmerer 2001), Psychosomatik (Franke/Broda 1993), Psychiatrie, Suchtforschung (Franke/Elsesser/Algermissen/Sitzler 1997, Franke/Mohn/Sitzler/Welbrink/Witte 2001) und zun ehmend in "klassischen" medizinischen Fächern wie Innere Medizin und Frauenheilkunde (Schüffel/Brucks/Johnen/Köllner/Lamprecht/Schnyder 1998).
Während Pathogenese die Entwicklung von Krankheiten kennzeichnet, bedeutet Salutogenese die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Gesundheit. Zentrale Aufgabe der Salutogenese-Forschung ist die Identifizierung gesunderhaltender personaler, situativer und sozialer Faktoren und Ressourcen.
Eckpfeiler der Theorie sind:

Salutogenetischer Annahme zu Folge befindet sich der Mensch somit nicht in einem Zustand von entweder Gesundheit oder Krankheit, sondern er bewegt sich auf einem Kontinuum zwischen diesen beiden Polen und verfügt auch in Zeiten, in denen er sich nahe am Krankheitspol befindet, über gesunde Anteile. Krankheit andererseits ist nicht Störung eines als normal angenommenen Zustands der Homöostase, sondern notwendiger Bestandteil des Lebens, in dem Menschen kontinuierlich Anpassungsleistungen erbringen müssen, um die Flut von Stressoren zu bewältigen, denen sie ausgesetzt sind.
Die Bewegung in Richtung auf den Gesundheitspol wird entsprechend der Theorie wesentlich durch das Kohärenzgefühl determiniert, eine relativ überdauernde personale Disposition, die im Verlauf der Sozialisation in Kindheit, Jugend und frühem Erwachsenenalter erworben wird. Die Relevanz des Kohärenzgefühls für die gesundheitliche Entwicklung gilt empirisch als gesichert. Fraglich ist jedoch seine postulierte Universalität und hier insbesondere seine Unabhängigkeit vom Geschlecht.
Bisherige empirische Untersuchungen verweisen hinsichtlich des Kohärenzgefühls sowohl auf quantitative als auch auf qualitative Unterschiede zwischen Männern und Frauen (Franke 1997).
Das Salutogenese-Konzept eröffnet eine Möglichkeit, die in der geschlechterdifferenzierenden Gesundheitsforschung seit Beginn postulierte These, dass Gesundheit für Männer und Frauen Unterschiedliches bedeutet und unterschiedlich wahrgenommen und erlebt wird, empirisch zu untermauern und die Qualität der Differenzen zu beschreiben.

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